Betreff:

Forum zum Freitag

Datum:

Mon, 7 May 2007 13:10:23 +0200

Von:

Brender.N@zdf.de  

An:

nicht_mit_uns@yahoo.de

Sehr geehrte Frau Heimbold, sehr geehrter Herr Vallen,

haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben zum geplanten "Forum zum Freitag". Wie Sie sicherlich wissen, wird das im Internet angebotene Format nicht "Wort zum Freitag" heißen, sondern den Titel "Forum zum Freitag" tragen. 

Gerne möchte ich Ihnen die Gründe für unsere Überlegungen näher darlegen und würde mich sehr freuen, wenn ich Ihnen dadurch Ihre Bedenken - wenigstens zu einem Teil - nehmen könnte.

Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Mittlerweile hat jedes vierte Neugeborene in Deutschland mindestens einen ausländischen Elternteil. Mehr als 3,2 Millionen Menschen muslimischen Glaubens leben inzwischen in Deutschland. In seiner Vielfalt ist der Islam inzwischen zum Teil Europas und Deutschlands geworden. Ein Grund, warum die Bundesregierung seit November letzten Jahres eine "Deutsche Islam-Konferenz" einberufen hat. Es gehört zum Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders, dieser gesellschaftlichen Realität Rechnung zu tragen, gleichermaßen Chancen wie Probleme des multikulturellen Miteinanders aufzuzeigen und Verantwortung für einen besseren Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu übernehmen.

Ein "Forum zum Freitag" kann dabei ein Element der Förderung dieses Dialogs sein. Neu ist diese Idee allerdings nicht. Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, hat bereits 2004 ein "Wort zum Freitag" ins Gespräch gebracht - verbunden mit der Absicht und Hoffnung, dadurch eine bessere Integration muslimischer Mitbürger zu fördern. Seit dem 20. April veröffentlicht auch der SWR in seinem Onlineangebot ein "Islamisches Wort".

Die Kirchenredaktion des ZDF entwickelt zur Zeit Konzepte, wie ein solches "Forum zum Freitag" in unserem Online-Angebot - als Kommentar, Gespräch oder Interview - umgesetzt werden kann. Auf jeden Fall wird es auf Deutsch veröffentlicht.

Die redaktionelle Verantwortung für das "Forum zum Freitag" und die Auswahl der Gesprächspartner liegt beim ZDF. Das "Forum zum Freitag" versteht sich als Beitrag zum interreligiösen Dialog, bei dem nicht nur Muslime zu Wort kommen werden.

Adressaten eines "Forums zum Freitag" sind alle an Religion interessierten Zuschauer, Zuhörer und Internet-Nutzer. Das Angebot richtet sich also nicht nur an Muslime, sondern an alle, die sich an der Diskussion um Migration und Integration fremder Kulturen in Deutschland beteiligen wollen. Gerade in der jetzigen Auseinandersetzung um Fundamentalismus, Terror und Krieg im Orient scheint es mir besonders wichtig, Kenntnisse über den Islam zu vermitteln. Die Plattform des Internets ist dafür gut geeignet. Allerdings wird unser Online-Angebot keine Plattform für Äußerungen sein, die vom Grundgesetz nicht gedeckt sind.

Im "Forum zum Freitag" soll es auch darum gehen, wie Religion den Alltag von Menschen bestimmen kann, ohne zur Staatsreligion zu werden. Zum Beispiel in Fragen der Gerechtigkeit, in der Beziehung der Menschen untereinander. Welche Konsequenz ziehen Muslime aus ihren höchstpersönlichen, religiös motivierten Entscheidungen für ihr Leben? Und wie stehen diese Konsequenzen zu einer freien, demokratischen Gesellschaft?

Dabei werden auch Zusammenhänge zwischen aktueller Politik und islamischer Botschaft, zwischen politischem Tun und religiöser Begründung zur Sprache kommen. Ein weiteres Thema ist der Vergleich zwischen Christentum, jüdischer Religion und Islam. Auch Frauen muslimischen Glaubens sollen ihre Interpretation des Koran darlegen. Die Bandbreite der Themen, die sich zur Diskussion anbieten, ist vielfältig und wir wollen sie aufgreifen - kritisch, ohne Vorurteile.

Häufig wird darauf hingewiesen, dass muslimisch geprägte Staaten anderen Religionen die Freiheiten gestatten müssten, die islamische Organisationen in Deutschland für sich reklamieren. Das ZDF hat in zahlreichen Berichten auf die schwierige und teilweise verzweifelte Lage hingewiesen, in der sich Christen in solchen Ländern befinden. Eine der Stärken unseres demokratischen Staates liegt im Grundgesetz, dessen Beachtung - auch die der Religionsfreiheit - kein Gegengeschäft erträgt. Unabhängig von der politischen Praxis in anderen Staaten, sollten wir in Deutschland an der Einhaltung des Grundgesetzes und der Beachtung der Menschenrechte unbeirrt fest halten. Dies übrigens macht Deutschland zu den hoch anerkannten Staaten innerhalb der Weltgemeinschaft.  

Ich möchte mich nochmals für Ihr Schreiben bedanken und würde mich freuen, wenn Sie weiterhin am ZDF Interesse zeigen.

Mit freundlichen Grüßen

Nikolaus Brender

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ZDF
Nadja Bröcker
Chefredaktion
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