30. 11. 2005 - Verlegung der ersten Stolpersteine in Fürstenwalde

Allgemeines zur Aktion

Den ersten Ansatz für das Projekt Stolpersteine hat Gunter Demnig 1990 in Köln geschaffen mit einer Schriftfarbspur vom ehem. Schwarz-Weiss-Platz zur Deutzer Messe, von wo aus im großen Umfang Sinti und Roma deportiert wurden 1992 Verlegte er in Köln ein Messingblech mit Himmlers Auschwitz-Befehl. Ein Jahr später wurde Stolpersteine als konzeptuelles Projekt vorgestellt, damals jedoch noch ohne Realisierungsgedanken 1995 gab es dann eine erste Probeverlegung von Steinen in Köln und im Jahr darauf im Rahmen der NGBK Ausstellung "Künstler forschen nach Auschwitz" - die Verlegung von 55 Stolpersteinen in Berlin-Kreuzberg. (Quelle: www.stolpersteine-stuttgart.de )


Die Verlegung

In der Fürstenwalder Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ haben sich einfache Bürger der Stadt aller Alterstufen, Quallifizierungen und Glaubensrichtungen zusammengefunden. Es gibt somit keinerlei religiöse oder parteipolitische Zwänge.

Im Beisein von namhaften Vertretern und vielen Bürgern der Stadt Fürstenwalde (Spree), sowie den Paten - u. a. auch Vertreter von GMW - wurden insgesamt 3 Stolpersteine durch Herrn Demnik verlegt; je ein Stein" für ein jüdisches, ein politisches und ein Opfer der Euthanasiemorde.

Der erste Stein wurde zum Gedenken an den Arzt Dr. Flatauer, der in Fürstenwalde als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde, verlegt. Für diesen Gedenkstein hat GMW die Patenschaft übernommen.


HIER WURDE GEBOREN
DR. HERBERT FLATAUER
AM 07.03.1893
PRAKTISCHER ARZT
DEPORTIERT
AM 26.06.1942
INS KZ THERESIENSTADT
VERSCHOLLEN




Die anderen Steine erinnern an
Albert Genz, Buchdrucker, Schriftsetzer und Vorsitzender der Ketschendorfer SPD
und an Wera G. die, seit Geburt geistig behindert, in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg im Rahmen der sogenannten "T4 Aktion" ermordet wurde.
Nachdem der jeweilige Stein in die Erde gebracht wurde, wurde der Lebenslauf der betreffenden Person vorgetragen. Bei der Verlegung des Steines für Herrn Genz tat dies seine Enkelin.

Im Anschluss lud der Leiter der Samariteranstalten die ca. 50 - 70 Teilnehmer in den Festsaal zu einer Gedenkfeier ein.
Bürgermeister Manfred Reim, der Künstler Gunter Demnig, die Generalsuperintendentin des Sprengels Cottbus Heilgard Asmus und Friederike Kampczyk, Mitglied der Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ sprachen zu den Versammelten über die Gedenkkultur in Fürstenwalde, das Entstehen der Initiative und die lange und oft schwierige Nachforschung. Waren es zu Beginn nur wenige Namen, die man im Register der jüdischen Gemeinde von Fürstenwalde fand, so sind es mittlerweile über 100. Nun wurde damit begonnen, die Namen wieder nach Hause zu bringen.
Die Worte von Herrn Demnig, er wurde nur einige Tage vorher durch Bundespräsident Köhler mit dem "Roten Tuch" ausgezeichnet, bewegten mich noch sehr lange:

"Wenn man die Namen der Opfer lesen will, muss man sich vor diesen verneigen!"

Herbert Flatauer und Wera G. stehen für all die, die laut nationalsozialistischem Ideal kein Recht auf ein menschenwürdiges Leben hatten. Juden waren "Untermenschen", geistig Behinderte krankhafte Auswüchse der Gesellschaft und beide Gruppen durften das arische Erbgut nicht verderben. Albert Genz war einer derjenigen, die sich offen gegen diesen Wahn äußerte und auch das konnte man nicht dulden. Verräter mussten verschwinden. Niemand hätte sich vor ihnen verneigt!
In den nächsten Tagen werden dies sehr viele Fürstenwalder tun, denn die Eisenbahn- und die August-Bebel-Straße sind belebte Einkaufsstraßen.
Ein ganz besonderes Dankeschön gilt dem Chor der BewohnerInnen und MitarbeiterInnen der Samariteranstalten, die die Feierstunde mit wundervollen Liedern umrahmten.

"...ich möchte, dass sich jemand einmal daran erinnert, dass einst eine Person namens David Berger lebte." (Zitat eines polnischen jüdischen Jugendlichen im letzten Brief an seine Freundin, bevor er 1941 im Alter von 19 Jahren in Vilnius erschossen wurde. Quelle: Datenbank Yad Vashem)