Thema:

„Kalter Empfang für Pöttering“

Datum:

03.06.2007 20:03:46 Westeuropäische Normalzeit

Von:

nicht_mit_uns@yahoo.de

Antworten an:

 

An:

redaktion@tagesschau.de

 

Sehr geehrte Frau Marx

 

Voller Interesse lasen wir Ihren Artikel „Kalter Empfang für Pöttering“ (Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6842748_TYP6_THE_NAV_REF3_BAB,00.html ). Hätte man hier nicht den Titel wählen sollen: „Pöttering in der Knesset - ein Schäfchen geht freiwillig in die Höhle des Löwen“.

 

Der arme Herr Pöttering muss einem da ja schon fast leid tun. Aber hätte es sich der Präsident des Europäischen Parlaments nicht denken können, dass die Israelische Bevölkerung bzw. deren Vertreter in der Knesset kaum Unterstützung durch die EU erfahren haben, liessen doch leere Worte nie Taten folgen. Man schreit auf wenn Israel in letzter Instanz einen Sicherheitszaun errichtet, um Volk und Land zu schützen, weil von den Vereinten Nationen und von der Europäischen Union nichts gegen den täglichen Terror seitens palästinensischer Organisationen wie Hamas, PLO u.ä. unternommen wurde. Man verabschiedet eine Resolution nach der anderen gegen Israel, anstatt sich auch gegen den von der palästinensischen Autonomiebehörde ausgehenden bzw. geduldeten Terror zu wenden.

 

Sie bezeichnen Daliyah Itsiq, Knesseth Präsidentin und israelische Staatspräsidentin par interim, in Ihrem Bericht als aggressiv, wodurch der Leser "angeleitet" wird ihre Ausführungen zu verurteilen. Aber, was ist an ihrer Rede "aggressiv", außer vielleicht, dass sie dabei kein gespieltes Lächeln aufsetzt? Wir zitieren:

 

„In einer aggressiv vorgetragenen Rede erinnerte sie ihn daran, dass Israel sich unprovozierten Angriffen aus dem Gaza-Streifen ausgesetzt sehe: "Herr Präsident, welcher Staat in Europa oder der Welt würde es akzeptieren, dass seine Bürger jeden Tag mit Raketen angegriffen werden. Einfach nur so. Ohne Grund. Wie viel Zurückhaltung kann man von uns verlangen?"

 

Ohne diesen Hinweise auf die klassische israelische "Aggressivität" würde vielleicht so manchem unbefangenen Leser sehr einleuchten, was sie sagt!

 

Im weiteren Verlauf des Artikels heißt es:

 

„Und schließlich brachte sie das tiefe israelische Misstrauen gegenüber Europa auf einen kurzen Nenner: "Wissen Sie Herr Präsident, es gibt bei uns solche, die sagen, dass Europa immer zu wenig und zu spät reagiert. Es lohnt sich, darüber mal nachzudenken.“

 

Ohne den einleitenden Satz, würde vielleicht mancher Leser darüber tatsächlich nachdenken. Aber es ist ein zum Tabu erklärtes Axiom in Deutschland, dass die deutsche und europäische antisemitische Geschichte keinerlei aktuellen Einfluss auf die Beziehungen zu Israel haben. Ein absurdes Axiom. Gerade dieser Artikel belegt das Gegenteil.

  

„Pöttering [...] gestand dem jüdischen Staat das Recht zu, sich gegen Angriffe zu wehren“

 

und "schlussfolgerte"

 

"Das Europäische Parlament ruft dazu auf, einerseits die entführten israelischen Soldaten - Ehud Goldwasser, Eldad Regev und Gilad Shalit, sowie den britischen Korrespondenten Alan Johnston freizulassen, und andererseits die verhafteten Parlamentsabgeordneten und andere Politiker, darunter den Bildungsminister Nasser al Shaer, aus der Haft zu entlassen."

 

Allein diese Gleichsetzung von Ehud Goldvaser, Eldad Regev und Gil'ad Shalith mit Nasser al Shaer ist geradezu bösartig, ganz gewiss unmoralisch. Mit keinem Wort erwähnt Pöttering die Hamas-Zugehörigkeit des Bildungsministers.

 

Aber der Leser wird wiedereinmal durch Ihre einleitenden Pseudokommentare "besänftigt":

 

Trotzdem löste er [Pöttering] bei seinen Gastgebern Verärgerung aus“

 

Der arme Mr. Pöttering sprach doch alle Themen an, von denen er dachte, sie wären den Israelis wichtig. Trotzdem sind diese nicht zufriedenzustellen!

 

Wo ist Ihr Hinweis auf die Hamas-Zugehörigkeit des Ministers? Anstatt Pötterings Fehler auszumerzen, bemerken Sie:

 

„Al Shaer war vor wenigen Tagen in einer nächtlichen Aktion in Nablus festgenommen worden, zum zweiten Mal in einem Jahr. Bisher wurde keine Anklage gegen ihn erhoben. Für Parlamentspräsidentin Itzik aber ist schon entschieden, dass er schuldig ist.“

 

Damit das Argument der Knesseth-Präsidentin dem Leser ja nicht einleuchte, leiten Sie ein :

 

„Nach dem Ende von Pötterings Rede und abweichend von den üblichen diplomatischen Gepflogenheiten wies sie den Gast daher rüde zurecht:“

 

und zitieren Daliyah Itsiq :

 

"Ich möchte doch einiges korrigieren. Sie haben hier über den palästinensischen Erziehungsminister gesprochen und ich will Ihnen sagen, wie er Erziehung versteht. Er schickt Kinder aus, um sich in die Luft zu sprengen. Er sorgt dafür und das wissen wir genau. Er hetzt, er ist verantwortlich für die Hetze in den Schulbüchern. Es wäre ganz gut, wenn Sie sich ein paar Informationen aneignen würden, die Ihnen sicher einfach fehlen."

 

Nach diesem Artikel müssen Sie sich die Frage stellen lassen:

 

Wie würde der deutsche Bundestag reagiert haben, wenn der damalige Präsident der Knesseth nach Bonn gekommen wäre und gesagt hätte:

 

Wir verurteilen die Gefangennahme von Hanns Martin Schleyer und wir verlangen die sofortige Freilassung von Schleyer und den führenden RAF-Organisatoren, welche lediglich auf Grund von Indizien und ohne Zeugen verurteilt wurden. Deutschland hat das Recht, sich gegen Gewalt zu wehren aber Deutschland muss die Menschenrechte der kritischen Bürger respektieren. Wir bieten dabei Deutschland einen von uns ausgearbeiteten Lösungsplan an, der u. a. vorsieht, dass Deutschland allen RAF-Mitgliedern unverzüglich Sozialhilfe, Bafög, Wohngeld und vor allem Haftentschädigung zukommen lässt im Einklang mit der Charta der Menschenrechte.

 

Nach diesem Artikel wird es in Deutschland wieder einige Leser mehr geben, die in ihrer Meinung Israel gegenüber bestärkt wurden.

 

Medien besitzen eine sehr große Macht und jeder Journalist sollte ordentlich und verantwortungsbewusst damit umzugehen wissen und nicht seine eigenen Animositäten einbringen, im Besonderen, wenn es sich um einen Bericht und keinen Kommentar handelt!

 

Voller Irritation über solch eine bewusste Lenkung des öffentlichen Mainstreams

 

German Media Watch

Redaktionsleitung

Redaktionsleitung@nicht-mit-uns.com

 

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